Flugzeugabsturz Airbus A320 : Letzte Reise für die Kunst, die Freundschaft und den Humor

Von links: Manfred Jockheck, Anke von Kolken, Sabine Jockheck, Axel Kunstmann; Foto: Mengeder Heimatvereine.V.

Manfred Jockheck, Anke von Kolken, Sabine Jockheck, Axel Kunstmann; Foto: Mengeder Heimatverein

72 deutsche Opfer waren in der abgestürzten Airbus A320 Maschine von Germanwings, neben der Schülergruppe und zwei Lehrern aus Haltern vom Joseph-König-Gymnasium und einer Stewardess aus dem Ruhrgebiet, sind auch drei Dortmunder unter den Opfern zu beklagen. Der Dortmunder Künstler Manfred Jockheck war mit seiner Frau Sabine in der Maschine, die über den französischen Alpen abstürzte. Sie hinterlassen drei Kinder. Im NRW-Landtag wurde ein Kondulenzbuch eingerichtet. Wer den nordrhein-westfälischen Opfern und ihren Angehörigen kondulieren möchte, kann sich dort in der Wandelhalle eintragen.

Zu den Opfern gehört auch Manfred Jockheck, 1949 in Dortmund geboren. Er studierte an der FH Dortmund und war im Anschluss als Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Dortmund im Fachbereich Objekt- und Raumdesign tätig. Viele haben ihn in guter Erinnerung: „Er war ein echter Individualist. Wir mochten ihn gerne“, sagt eine seiner Studentinnen. Ein anderer ehemaliger Design-Student meint, „eine schreckliche Nachricht. Natürlich ist es vor allem für die Hinterbliebenen schlimm. Gleichzeitig aber rückt dadurch der Absturz noch näher. Es wird einem bewusst, dass so ein Flugzeugabsturz jeden von uns oder einen nahem Menschen treffen kann. Es ist wie eine Los-Trommel, aus der jederzeit das eigene Los gezogen werden kann.”

Neben seiner beruflichen Arbeit als Dozent und freier Künstler ist die Liste der Ehrenämter von Manfred Jockheck lang. Er war Vorsitzender der IG Mengeder Heimatwald e.V., künstlerischer Leiter der Aktion „Glanzlichter“ und gründete mehrere Künstlergruppen, wie die nordrhein-westfälische Gruppe GRUND und die Bremer Künstlervereinigung Rosengarten. Er war an über 470 Ausstellungen beteiligt. Seit 2000 engagiert er sich beim Bundesverband Bildender Künstler BBK, seit 2005 ist er Mitglied im nordrhein-westfälischen Landesvorstand.

Seine Dortmunder Künstlerkollegin Rita-Maria Schwalgin kennt ihn schon seit über zwei Jahrzehnten, auch von gemeinsamen Ausstellungen: „Ich schätze nicht nur seine Kunst sehr, sondern auch ihn ganz persönlich. Man konnte mit ihm wunderbar ungewöhnliche Ideen aushecken. Neben seiner kreativen Arbeit und den unglaublich vielen Ehrenämtern, war ihm immer seine Familie sehr wichtig. Man merkte, wie glücklich Manfred in seiner Ehe war. Die Patchworkfamilie mit Sabines beiden Kindern war etwas, das ihn mit viel Zuversicht und Glück erfüllt hat.“ Die Kinder sind erst 18 und 19 Jahre alt.

Manfred Jockheck: Wege zum Baum Zyklus/7; Foto Maximilian Baron von Koskull

Viele Jahre war Manfred Jockheck bei Bündnis 90/ den Grünen aktiv, zuletzt als stellvertretender Bürgermeister in einem Dortmunder Stadtbezirk. Seine politischen Wegbegleiter werden ihn vermissen, denn zahlreiche Wahlkämpfe und die jahrzehntelang gemeinsame Arbeit schweissen zusammen. Die Grünen vor Ort stehen unter Schock.

Axel Kunstmann war 15 Jahre mit Manfred Jockheck gemeinsam im selben Ortsverein. Angesichts der Nachricht ist er sprachlos: “Ich habe es heute Mittag erfahren und bin immer noch nicht fähig, darüber zu sprechen. Es fehlen einem die richtigen Worte, die Manfred und Sabine und dem Unglück gerecht werden könnten. Wir sind wie gelähmt und denken vor allem an die beiden Kindern.”

Mario Krüger, Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen erinnert sich an den langjährigen Mitstreiter in der Dortmunder Lokalpolitik: „Am meisten ist mir seine große Lebensfreude im Gedächtnis. Ich habe mir heute noch einmal das Foto herausgesucht, auf dem Manfred und seine Frau Sabine freudestrahlend die Fäuste in die Luft recken. Die beiden Grünen hatten gerade gemeinsam die Wiederwahl gewonnen. Es war immer zu spüren, dass Manfred positiv denkt und mit viel Herzenswärme auf Menschen zugeht. Das sein Leben so jäh endete, ist tragisch und auch für uns ein großer Verlust.“

Dass sich die Partei “Die Rechte” auf ihrer Online-Hetzplattform DortmundEcho über den Tod von Manfred Jockheck freut, ist widerwärtig. Auf der Seite werfen die Nazis unter dem Stichwort “Mitgliederverlust für die Grünen in Dortmund” mit Dreck um sich, ohne Rücksicht auf die Opfer und die Trauernden.

Sie schreiben: “Jockheck war bis zum Ende der Legislaturperiode im Mai 2014 stellvertretender Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk Mengede und damit maßgeblich mitverantwortlich für die Zeit, in der sich der Stadtteil Westerfilde zum größten Ghetto des Dortmunder Westens verwandelt hat. Auch seine Ehefrau war Mitglied der Mengeder Bezirksvertretung. Während seiner Amtszeit tat sich Jockheck sowohl durch die Unterstützung der sozialdemokratischen Bezirksvertretungsmehrheit hervor, als auch obligatorische Phrasen gegen „Rechtsextremismus“. Dass die Rechtsextremen schreiben, dass Jockheck mit seiner eindeutigen Haltung gegen Rechtsextremismus auffiel, gereicht ihm zur Ehre.

Manfred Jockheck war mit der internationalen Künstlervereinigung Schlaraffia Truymannia nach Barcelona gereist. Der internationale Zusammenschluss, der ironisch und augenzwinkernd Bezug auf Männerbünde nimmt, zeigt Jockhecks Humor. Die Reise stand unter dem Motto: Im Spiel grenzenlose Möglichkeiten kulturbeflissener und fröhlicher Freizeitgestaltung mit gleichgesinnten Freunden – man traf sich mit Gleichgesinnten in Spanien. Er reiste mit Frau Sabine einen Tag früher nach Nordrhein-Westfalen zurück, um rechtzeitig zum Geburtstag der Schwiegermutter  in Dortmund zu sein.

Das seine letzte Reise der Kunst, der Freundschaft und dem Humor als tragende Säulen des Lebensspiels gewidmet war, wie auf der Homepage der Schlaraffen zu lesen ist, wird die vielen Menschen, die ihn schätzten, vielleicht ein wenig trösten können.

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