Prominente Unterstützung: Gregor Gysi will Opfer des Dortmunder Rathausüberfall vertreten

Politiker und Rechtsanwalt Gregor Gysi, Bild: Die Linke

Politiker und Rechtsanwalt Gregor Gysi, Bild: Die Linke

Die Rathausverteidiger, die am Wahlabend 2014 von einer Horde aggressiver Rechtsextremisten angegriffen wurde, erhalten prominente Unterstützung. Der Berliner Anwalt und Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, hat sich bereit erklärt, die durch einen Schlag verletzte Dortmunder Ratsfrau Nadja Reigl anwaltlich zu vertreten. Reigl hatte während des Überfalls auf das Dortmunder Rathaus am 25. Mai 20214 von dem stadtbekannten Nazi Lukas B. einen Schlag mitten ins Gesicht bekommen. Dennoch wurde aus dem Opfer eine Täterin. Gegen die verletzte Piratenfrau Reigl, die wie zunächst insgesamt 65 andere Beschuldigte, vor dem Rathaus gestanden hatte, wurde Strafbefehl wegen Nötigung beantragt.

Gregor Gysi entschied sich aus gutem Grund, die Ratsfrau der Fraktion DIE LINKE & PIRATEN im Falle eines Verfahrens wegen der angeblichen Nötigung zu vertreten. Auch bei einem möglichen weiteren Verfahren gegen einen anderen Nazi, der Reigl am Ohr mit einem Schlag getroffen hatte, ist eine Vertretung von ihr als Nebenklägerin oder als Zeugenbeistand für Gysi denkbar.

Gysi geht es auch darum, die Verdrehung zwischen Opfern und Tätern, wie bei den Ermittlungen zum Rathausüberfall, ein Ende zu setzen: „Ein solcher rechtsextremistischer Überfall mit körperlicher Gewalt und volksverhetzenden Parolen gegen gewählte Volksvertreter muss geahndet und die Täter zur Verantwortung gezogen werden, statt sie zu Opfern zu machen.“

Der Auftritt des Berliner Anwaltes in Dortmund könnte in die Aufklärung des Rathausüberfalls neuen Schwung bringen. Das ist bitter nötig, denn die Bilanz des Überfallsder Nazis auf Demokraten und Demokratinnen ist ernüchternd.

Gegen 13 „Rathausverteidiger“ wurde Strafbefehl wegen des Vorwurfs der Nötigung erlassen, in 2 Fälle wegen des Verdachts der versuchten Körperverletzung, in 2 Fälle wegen des Vorwurfs der Beleidigung. Anklage erhoben wurde gegen 5 Beschuldigte aus dem „rechten Spektrum“, davon 4 Fälle wegen gefährlicher Körperverletzung und 1 Fall wegen einfacher Körperverletzung.

Die Verhandlung gegen Lukas B. wegen Körperverletzung findet am 30. Juni 2014 am Amtsgericht Dortmund statt. Reigl wird an diesem Tag von RA Kabis als Nebenklägerin vertreten.

Altes Videomaterial sorgt für spontane Aufklärung

In einem Fall der Körperverletzung soll „neues Videomaterial“ aufgetaucht sein, wie die Medien berichteten. Die Staatsanwaltschaft korrigierte diese Nachricht jedoch gegenüber den Ruhrbaronen: „Zu der Wiederaufnahme der Ermittlungen kam es, nachdem im Zusammenhang mit der Beschwerde eines Bürgers das vorhandene Beweismaterial – darunter auch eine neu bearbeitete Fassung eines Teils des Filmmaterials – in den letzten Wochen nochmals umfassend ausgewertet wurde.“

Lukas B. am Wahlabend 25. Mai 2015, Screenshot Video

Gut möglich, dass auch das Video von Alexander Völkel vor dem Gerichtsverfahren gegen Lukas B. noch einmal genau ausgewertet wird. Das Filmmaterial aufYoutube hatte der Nordstadtblogger bereits vor einem Jahr den Ermittlern übergeben. Man sieht nicht nur deutlich den brutalen Faustschlag gegen Nadja Reigl, sondern auch wie der Täter Lukas B. wenige Sekunden vor dem Hieb, eine volle Sektflasche wie eine Schlagwaffe am Hals gepackt hält.

Dass die Staatsanwaltschaft nach der Einstellung der Verfahren wegen Körperverletzung den vorhandenen Film noch einmal genau angeguckt hat, beweist vor allem eines: Im Fall von Rechtsextremismus ist das genaue Hinsehen unverzichtbar. Auch wenn die Ermittler in Dortmund zweimal hinsehen müssen, um das vollkommen Offensichtliche zu erkennen.

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