Kategorie-Archiv: Kultur

„Die schwarze Flotte“ und was sie schon immer über Journalismus wissen wollten

Die schwarze Flotte (Andreas Beck) ; Foto: Birgit Hupfeld

Die schwarze Flotte (Andreas Beck) ; Foto: Birgit Hupfeld

Wie entstehen spannende Reportagen, investigative Stories, aufwendige Recherchen? Diesen Fragen geht Intendant Kay Voges in dem Stück „Die schwarze Flotte“ nach. Auf großen Schiffen und Tankern werden Waffen, Drogen und Menschen weltweit transportiert. Ob Flüchtlinge aus Syrien, Drogen aus Marokko oder Waffen aus Russland – die Händler des Todes interessiert das nicht. Denn es geht um viel Geld. Dahinter steckt ein Netzwerk aus Kriminellen, Angehörigen der Mafia und möglicherweise auch einigen Regierungen. Wer hinter dem Riesengeschäft steckt, wer die Schattenleute sind und wer das ganz große Geld mit diesem Handel macht, recherchierte der Rechercheverbund CORRECT!V.

Die Rolle des Journalisten spielt Andreas Beck – als (Proto)typ der schreibende Zunft ist er überzeugend. Er schwitzt, verzweifelt, sinniert, rennt gehetzt hin und her, sammelt Fakten, scrollt durch ewig lange Datenlisten, verbindet kleine Eckpunkte miteinander, verknüpft Informationsbruchstücke und sucht nach Quellen, die verlässlich sind. Er ist getrieben von Neugierde, dem Wunsch die Welt zu verstehen und dem Ehrgeiz, eine gute Story zu finden. Seine Figur des leidenschaftlichen, investigativen Journalisten legt Andreas Beck irgendwo zwischen dem wunderbaren Dude und dem großen Michael Moore an.

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Heisenberg und die Liebe – Premiere im Schauspielhaus Düsseldorf

Heisenberg mit Burghart Klaußner und Caroline Peters (Foto: Thomas Rabsch)

Heisenberg mit Burghart Klaußner und Caroline Peters (Foto: Thomas Rabsch)

Ein Mann und eine Frau treffen aufeinander. Sie ist jung, extrovertiert und impulsiv. Er ist alt, knurrzig und in sich zurückgezogen. Unterschiedlicher können zwei Menschen nicht sein. Sie verlieben sich – Happy End. Was wie die Anleitung für eine gelungene Screwball Komödie klingt, wird in der Inszenierung von Lore Stefanek am Düsseldorfer Schauspielhaus zu einem Theaterstück, das Humor mit emotionaler Tiefe verbindet. Das gelingt vor allem auch deswegen, weil das Stück von Simon Stephens auf der naturwissenschaftlichen Erkenntnis der Unschärferelation von Heisenberg beruht.

Romantisch ist die erste Begegnung von Alex Priest (Burghart Klaußner) und der Kellnerin Georgie (Caroline Peters) wahrlich nicht. Sie begegnen sich auf einem Londoner Bahnhof – einem Ort, wo sich Menschen voneinander verabschieden oder sich nach langer Zeit glücklich in die Arme fallen. Georgie wartet auf ihren verstorbenen Ehemann, Alex auf niemanden. In seinem billigen Polyacryl-Anzug, mit einer weissen Plastiktüte in der Hand, ist er einfach da. Keine Vorlage für einen Helden. Georgie küsst ihn unvermittelt in den Nacken und schämt sich für den impulsiven Überfall auf einen fremden Mann. Aus der peinlichen Situation versucht sie sich durch einen nicht enden wollenden Redefluss zu retten.

Sie will ihn fotografieren „Die Idee dahinter ist, sie einzufrieren!“ Doch Alex muss nicht eingefroren werden. Seine Haltung ist starr, seine Mimik leblos, sein Gefühle unterkühlt. Alex ist von Georgie’s Versuch sichtlich genervt, ihn in ein Gespräch zu verstricken. Er lässt sie stehen und geht. Auf der karg ausgestatteten Bühne (wie es wird eine große Scheibe sichtbar – das Publikum spiegelt sich darin. Es wird Teil des Spiels, ganz im Sinne Titelgebenden Unschärferelation von Heisenberg: Teilchen verhalten sich unter Beobachtung anders, als wenn sie nicht beobachtet werden.

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Kein Held nirgends – „Gilgamesh“ eröffnet Spielzeit am Schauspielhaus Düsseldorf

Gilgamesh; Foto: Thomas Rabsch Schauspielhaus Düsseldorf

Gilgamesh (Christian Erdmann); Foto: Thomas Rabsch Schauspielhaus Düsseldorf

Nicht auf einer Bühne, sondern in einer sandgefüllten Manege am Interims-Spielort auf dem Corneliusplatz an der Düsseldorfer Kö inszeniert der zum Spielzeitbeginn von Bochum nach Düsseldorf gewechselte Regisseur Roger Vontobel das alte Epos Gilgamesh. Die älteste überlieferte Sage der Welt wurde vor 5000 Jahren auf Tontafeln in Keilschrift niedergeschrieben. Kann das auf der Bühne des 21. Jahrhundert funktionieren?

Der unbarmherzige König meint es nicht gut mit seinem Volk, das zwischen Euphrat und Tigris lebt. Dort wo in unserer Zeit moderne Diktatoren wie Assad herrschen und der IS seine Herrschaftsgebiete immer weiter ausdehnt, ist das Reich von Gilgamesh mit der Hauptstadt Uruk. Sie ist mit einer gigantischen Mauer umschlossen und die Bauwerke sind Ausdruck der königlichen Macht. Der König möchte ruhmvoll in die Geschichte eingehen. „Seine Herrschsucht macht ihn zu Tyrann!“ sagt seine Mutter.

Die Untertanen des Herrschers Gilgamesh bewegen sich im harten Rhythmus der Hip Hop-Beats, winden sich, springen hoch, werfen die Arme nach oben. Frauen dienen der Lust, die Huren sollen ihre Scham öffnen. Ungezähmt sind sie, wild paaren sie sich, kämpfen, schlagen Saltos und kriechen dann auf allen Vieren über den Sandboden, ringen miteinander – schlammverschmiert, wühlen eine Grube in den Sand. Trinken durstig wie wilde Tiere aus dem Wasserloch inmitten der Wüste. Und schütten das Loch wieder zu. Der Bau der Stadt, mit der sich der König unsterblich machen will ist eine Sisyphosarbeit.

Gilgamesh ruft, trotz aller Mahnungen, zum Kampf gegen die Götter auf. Dem Herrscher wird der Wilde Enkidu von den Göttern zur Seite gestellt, um ihn zu zügeln. Er zählt zu den stärksten Männern, „Muskeln so hart wie ein Stein, der vom Himmel gefallen ist.“ Die Mutter des Königs fordert Enkidu auf, ihrem Sohn in den Kampf zu folgen „ich vertraue ihn dir an“. Doch der Wilde ist in der zivilisierten Welt verunsichert: „Ich wusste nicht was eine Stadt ist, ich war ausgestoßen, unsäglich allein.“ Einsam ist auch der König.

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++ next level ++ festival for games ++

Next Level Festival 2016, Foto: Flyer

Next Level Festival 2016, Foto: Flyer

Auf dem next level 2016 – festival for games im NRW Forum in Düsseldorf konnte man an diesem Wochenende seinem Spieltrieb freien Lauf lassen. Auf zwei Etagen wurden an 3D-Druckern kleine Dinosaurier gebaut, beim Matchmaking Profis und Amateure aufeinander losgelassen, man konnte den Spuren von Stanisław Lem folgen und Menschen vor einem gefährlichen intelligenten Ozean retten (oder auch nicht) und im freien Fall echte virtuelle 3D-Welten entdecken.

Die Besucher waren nicht nicht in der Mehrheit Nerds mit tiefen Ringen unter den Augen und stay inside Haut. Im Gegenteil, das Publikum war bunt gemischt, gut durchgegendert und altersmäßig zwischen 3 und 63 Jahren. Eines verband alle – Spaß am Spiel. Dass die heterogene Gruppe gut miteinander gut auskam und das Festival sehr kommunikativ war, lag zum einen an der freundlich-lässigen Ignoranz der Twentysomething gegenüber den Menschen, die eine 196 im Geburtsjahr haben, und zum anderen an dem Programm, das von den Organisatoren so hervorragend zusammengestellt war, dass Spaß und Spannung für alle sicher war.

Eines der Highlights war ohne Frage das Real Life-Computerspiel der komplexbrigade aus Berlin, die mit Interactive Theatre viele anlockten – die Mitspielmöglichkeiten wurden voll ausgeschöpft. Wenn sich der Reissverschluss der Raumstation CERES SPACE FOUNDATION öffnet, verschluckt einen ein weißer cleaner Raum. 90 Minuten haben wir Zeit, unsere Kollegen vom Planten Solaris zu retten, doch keiner weiß wer von der Crew zu den Bösen und wer zu den Guten gehört. Wir 10 Festivalbesucher bilden das NCC-1590 Epimetheus Team, werden desinfiziert, ziehen Uniformen und weiße Pantöffelchen an – und beginnen mit unserem Auftrag.

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Fixies – ungebremster Fahrspaß!

Waterkant Krit Hamburg, 2016

Waterkant Krit Hamburg, 2016

Wenn Teams mit den Namen Supernova Factory, Veloblitz, Why be normal?, Femme fatal und Beasty Bike an den Start gehen, riecht es nach Abenteuer. Tatsächlich geht es um hohes Tempo, waghalsige Rennen und ungebremsten Fahrspaß.

Die liebevoll Fixies genannten „Fixed Gear Bikes“ haben weder Bremsen noch Gänge und auch Schnickschnack wie Klingel und Schutzblech fehlen. Die stylischen Räder ähneln den Bahnrädern, mit denen bei den legendären Sechs-Tage-Rennen gefahren wird. Durch die unbewegliche Nabe müssen die Fahrer ständig eine hohe Frequenz beim Treten der Pedalen halten. Bei den teilweise steilen Kurven bekommt man das Gefühl, die Sportler würden mit ihrer Kniescheibe fast am Asphalt entlang schleifen.

Das Tempo lässt sich nur durch Gegendruck verringern, den der Fahrer auf die Pedale ausübt – für eine Vollbremsung kann man nur wahlweise den Fuß auf das Hinterrad legen oder das Hinterrad akrobatisch hochreissen. Auf der Straße verstossen die Räder gegen das Gesetz, bei den Rennen ist das Fehlen der Ausstattung Pflicht. Die Bahnräder wurden in den 80er Jahren von den New Yorker Fahrradkurieren für den Kampf durch den Großstadtverkehr genutzt. Inzwischen ist das Fahren mit den bunten Fixies in den Metropolen von Berlin bis Bangkok ein Trendsport für Hipster und Fahrradliebhaber.

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Macht Kunst Politik! – Kultur schaffen in Rotstiftzeiten

Macht Kunst Politik! Impulse Theater Festival (c) Robin Junicke

Macht Kunst Politik! beim Impulse Theater Festival (c) Robin Junicke

Macht, Kunst und Politik prallen beim Impulse Theater Festival im Rathaus von Düsseldorf aufeinander. In dem temporeichen Veranstaltungsformat, mit dem das Festival der freien Szene eine brisante Diskussion eröffnet, werden Kulturpolitiker aller Parteien auf besondere Weise herausgefordert. Statt langer Reden sollen sie ein knappes Jahr vor den NRW Landtagswahlen in 7-Minuten-Statements ihre kulturpolitischen Ziele formulieren. Ihnen gegenüber sitzen diejenigen, die Kultur schaffen und Kunst auf professionellem Niveau betreiben. Dass Kultur ohne die Förderung der öffentlichen Hand kaum möglich ist, ist an diesem Abend keine besonders neue Erkenntnis. Kulturpolitik wird an diesem Samstag Abend nicht neu verhandelt. Am Ende geht es wie immer vor allem um eines – Geld. Dennoch gelingt der israelischen Künstlergruppe Public Movement ein Veranstaltungsformat zu installieren, das eine innovative Dialogplattform zwischen Politik und Kultur schafft. Das ist weit mehr, als man von den üblichen Podiumsdiskussionen erwarten kann und könnte so manche Landtagsdebatte erfrischen.

Die Kulturschaffenden und Betroffenen der Sparpolitik dürfen in der Rolle des Publikums der Diskussion Kritik und Unmut, in Frageform verpackt auf handlichen Zetteln, beisteuern. Durch das Hochhalten von farbigen Karten können sie direkt intervenieren und den Redefluss der Politiker mit der Frage „Warum?“ und der Aufforderung „Sei konkret, gib ein Beispiel!“, stoppen. Begleitet werden die Unterbrechungen von getragen-melancholischer Musik (warum?) und einem fröhlichen Jingle (werde konkret!). Das führte selbst bei hartnäckigen Langrednern zur Unterbrechung des Vortrages – auch weil der Abend von der Reporterin und Autorin Ina Sonnenberg charmant und mit der notwendigen souveränen Autorität moderiert wird.

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Hartware MedienKunstVerein zeigt „Whistleblower & Vigilanten. Figuren des digitalen Widerstands“

HMKV: Whistleblower und Vigilanten

HMKV: Whistleblower und Vigilanten

Mit der Eröffnung der Ausstellung “Whistleblower & Vigilanten. Figuren des digitalen Widerstands“ gelang dem Hartware MedienKunstVerein (HMKV) eine Punktlandung. Aktueller kann ein Kuratorenthema kaum sein, ist doch die Enthüllung der Panama Papers nur wenige Tage alt und das Thema Whistleblowing wieder mit voller Kraft unweigerlich ins gesellschaftliche Bewusstsein gelangt. Die Ausstellung umspannt ein breites und kontroverses Feld zum Widerstand gegen staatliche Überwachung. Die Enthüllungs-Ikone Edward Snowden, die Anonymous-Bewegung und WikiLeaks findet man ebenso wie den norwegischen Massenmörder Breivik oder den Terroristen Unabomber. Cypherpunk, Kryptoanarchismus, Spätkapitalismuskritik, viraler Hass, virtuelle Spionage, Whistleblowing, Internetaktivismus – der digitale Widerstand ist global, umfassend, konträr und streitbar. 

Die Kontextualisierung der sehr unterschiedlichen Konzepte zum Thema Freiheit und Recht auf Information sind erst einmal irritierend, denn die Ausstellung stellt die Auffassungen über Recht und Unrecht unkommentiert nebeneinander. Anhand der räumlichen Anordnung im Ausstellungsraum lassen sich die Unterschiede der Motive der handelnden „Figuren des Widerstandes“ erst nach und nach verorten. Einfach macht es einem das Kuratorenteam, Dr. Inke Arns (HMKV) und der Künstler und Kulturhistoriker Jens Kabisch, dadurch nicht. Antworten auf moralische Fragen bekommt man ebenso wenig, wie eine Bewertung der Motivation der Handelnden. Helden des digitalen Widerstands, Kriminelle, Whistleblower mit Weltrettungsanspruch, Massenmörder, Aktivistinnen und Hacker stehen erstaunlich nah beieinander. Das ist durchaus gewollt und macht die Ausstellung spannungsreich und überraschend.

 

Das Recht auf Information

Spätestens seit den Enthüllungen der massenhaften Abhörmaßnahmen durch die NSA ist einem das Thema Überwachung unangenehm nahe gerückt. Für viele sind die Whistleblower-Ikonen wie Edward Snowden und WikiLeaks-Gründer Julien Assange Helden der Gegenwart. Sie haben durch ihre Enthüllungen erst die Möglichkeit geschaffen, einen kritischen öffentlichen Diskurs zur digitalen Massen-Ausspähung und das unfassbare Ausmaß der Datensammlung zu führen.

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