Public Relations

Die NRW Landesregierung setzt sich seit 2012 in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung für eine präventive Bildungspolitik ein. Den Startschuß für die Landesinitiative “Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ gab die ehemalige Ministerpräsidentin Hannlore Kraft (SPD). 

Familienministerin Kampmann gibt den Startschuss für die
NRW Landesinitiative „Kein Kind zurücklassen!“

Expertinnen und Experten und Vertreterinnen und Vertreter aus über 20 Kommunen trafen sich am 21. September in Dortmund zur Auftaktveranstaltung des Regierungsbezirks Arnsberg, um sich über die Landesinitiative zu informieren und in Fachgesprächen auszutauschen. NRW-Familienministerin Christina Kampmann begrüßte auf der ersten Regionalkonferenz, die im Regierungsbezirk Detmold stattfand, die kommunalen Vertreterinnen und Vertreter, die sich über die Chancen der Teilnahme an der Vertiefungsphase des Modellvorhabens „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ informierten. In ihrer Rede machte sie deutlich, dass die Landesinitiative von 2012 bis heute eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat: „In diesen fünf Jahren haben die 18 beteiligten Modellkommunen gezeigt, dass Prävention wirklich gut funktioniert und wir diesen Weg weiter beschreiten sollten. Ich lade alle Kommunen herzlich dazu ein, bei den fünf Regionalkonferenzen teilzunehmen, denn wir wollen mit Ihnen gemeinsam unsere Politik der Vorbeugung in die Fläche bringen.“

Als Beispiel guter Praxis nannte die Ministerin die Förderung der Sprachkompetenz in Bielefeld: „43 Prozent der Kinder einer Risikogruppe haben den Sprung zu einer guten Sprachentwicklung und zu altersgerechten Deutschkenntnissen geschafft. Dieses Beispiel zeigt als eines von vielen Ergebnissen, was wir mit „Kein Kind zurücklassen!“ erreichen konnten.“ Auch die Gesamtbilanz ist erfolgreich: Etwa 80 Prozent der Modellprojekte können ein positives Ergebnis der Wirksamkeit der Projekte aufweisen. Drei Ergebnisse der Modellphase stellte Kampmann in ihrer Rede besonders heraus: Durch aufsuchende Angebote haben sich in den Kommunen so genannte „Komm-Strukturen“, statt „Geh-Strukturen“ entwickelt. Mit diesem niedrigschwelligen Ansatz erreiche man verstärkt die Familien, die einen Beratungs-bedarf haben. Die Mikrodatenanalyse der Begleitforschung der Bertelsmann Stiftung habe zudem gezeigt, dass beispielsweise die Familienzentren signifikant für einer Verbesserung der Sprachbildung, der Konzentrationsfähigkeit und der motorischen Fähigkeiten der Kinder gesorgt haben. Ziel sei es nun, das Netz in den Kommunen weiter auszubauen – im Moment würden jedes Jahr hundert Familienzentren in Nordrhein-Westfalen dazukommen.

Prävention kostet Geld – spart aber langfristig Kosten

Ein weiteres Ergebnis des Modellvorhabens sei die Erkenntnis, dass Vorbeugung hilft, finanzielle Spielräume in den kommunalen Haushalten zu schaffen. Im Bereich der Hilfen zur Erziehung gäbe es ein großes Potential, um fiskalische Vorteile zu erreichen. Ein gutes Praxisbeispiel sei das Angebot des Kreisjugendamts Unna, das durch eine qualifizierte und bedarfsorientierte Beratung im Sozialraum 2012-2015 den Jugendhilfe-Etat um 345.000 Euro entlasten konnte. Dass gute Prävention auch Geld kostet, verschwieg Ministerin Kampmann nicht: “Im Moment wird im NRW-Haushalt jeder 3. Euro in Familien, Kinder und Jugendliche gesteckt – das ist der richtige Weg. Wir müssen uns aber auch die vorhandenen Strukturen als wesentlichen Aspekt guter Präventionsketten ansehen, um sie noch besser zu nutzen. Denn unser Ziel ist auch, die Situation dauerhaft so zu verbessern, dass finanzielle Vorteile für kommunale Haushalte erzielt werden.“

Im Abschlusswort ermutigte die Ministerin alle kommunalen Spitzenvertreterinnen und -vertreter sich an „Kein Kind zurücklassen!“ zu beteiligen: „Wir haben viele wichtige Impulse gesetzt und konnten andere Kommunen, wie zum Beispiel Vorarlberg in Österreich, begeistern und mitziehen. Ich möchte gerne mit Ihnen gemeinsam die Philosophie von „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ weiter ausbauen und nach ganz NRW tragen.“
Auch Ministerialdirigent Manfred Walhorn, Abteilungsleiter Kinder, Jugend im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen nahm an der Konferenz teil und blickte auf die letzten Jahre zurück: „Das Projekt hat erstaunlich viel Engagement und Kompetenz in den beteiligten Kommunen mobilisiert und das Interesse weiterer Kommunen erzeugt. Ich denke, das zeigt sich auch hier bei der Auftaktveranstaltung. Insgesamt ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit, Politik präventiv anzulegen, um Kindern die gleichen Chancen auf ein gelingendes Aufwachsen izu ermöglichen, stark gewachsen. Wir hoffen nun, dass die neuen Kommunen noch weitere wichtige Impulse geben und freuen uns, dass – im übertragenen Sinne – das Kind jetzt laufen kann!“

Den fachlichen Input lieferte Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle „Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen“. Er berichtete über die letzten vier Jahre des Modellvorhabens: „Für uns steht die wert-schätzende Kommunikation und Kooperation mit den Kommunen im Mittelpunkt der Arbeit. Unser Ansatz besteht darin, auf vor Ort bereits vorhandenen Erfahrungen, guter Praxis und bereits eingeschlagenen Entwicklungspfaden aufzubauen und so das im Gemeinwesen vorhandene Wissen zu bündeln. Es hat sich während des Modellvorhabens gezeigt, dass durch eine beteiligungsorientiert gestaltete Leitbild- und Strategieentwicklung der ämterübergreifende Brückenschlag möglich wird. Es geht darum, den mit der Leitformel „Vom Kind her denken“ umschriebenen Sicht-wechsel mit dem Handlungsrahmen von Trägern und Administrationen zusammenzubringen.
Auf diese Weise wollen wir „Gemeinsam besser werden“.

Die Kommunen sind Partner

Der Bielefelder Beigeordneter für Soziales, Ingo Nürnberger, berichtete über die erfolgreichen Praxisbeispiele in seiner Stadt, die am Modellvorhaben des Landes beteiligt war. Bielefeld hat Strukturen und innovative Projekte, beispiels-weise im Bereich der Übergangsgestaltung Kita-Grundschule entwickelt. Aber, so betonte Nürnberger, es müsse bei allen guten Einzelprojekten klar sein, dass damit nur dann eine wirklich breite und nachhaltige Wirkung erzielt werde, wenn die Projekte eingebettet sind in eine grundsätzliche Ausrichtung einer Kommune eingebettet sind. In seinem Grußwort machte Nürnberger den interessierten Kommunen Mut: „Wir hier in Bielefeld – das kann ich nach drei Jahren Modellprojekt sagen – haben von unserer Teilnahme am Landesmodellprojekt wirklich profitiert. Kein Kind zurücklassen hat uns bei unseren Anstrengungen bestärkt – und hat sie verstärkt.“ Der Sozialdezernent empfahl den interessierten Kommunen die Teilnahme, um auf diesem Weg gezielt neue Anregungen für die eigene kommunale Praxis zu bekommen und passgenau umsetzen zu können.

Den Aspekt der Passgenauigkeit findet auch Tim Kähler, Bürgermeister der Hansestadt Herford, wichtig. Der Verwaltungsvorstand hat bereits entschieden, in den Rat der Stadt Herford eine Vorlage zur Teilnahme an der Landesinitiative zur Abstimmung einzubringen. Kähler sieht für seine Kommune einen großen Vorteil darin, teilzunehmen. Er hat bereits in Bielefeld als Sozialdezernent das Modellvorhaben begleitet und freut sich nun auf die geplante Umsetzung an seinem neuen Wirkungsort. „Wir haben in Herford bereits viele erfolgreiche Projekte, aber es fehlt noch ein bisschen die Klammer, um die ganzen Projekte strategisch auszurichten. Wir wollen in Zukunft nicht nur alle an einem Strang ziehen, sondern verstärkt in die gleiche Richtung gehen. Das Angebot, uns koordinierend zu unterstützen, nehmen wir gerne an. Es ist wichtig, noch einmal gemeinsam die Ziele zu formulieren: Wenn ich das Ziel der Jugendhilfe erreiche, die Bedingungen des Aufwachsens so zu gestalten, dass Kinder eigenständig ihren Weg gehen können, dann mache ich gute Sozialpolitik.“

Kähler ist optimistisch: „Unsere Gesellschaft ist so vielfältig und bunt wie nie zuvor. Kinder gehen mit ganz unter-schiedlichen Ausgangsbedingungen und Startchancen in ihr Leben hinein. Die Kommunen sind ganz wichtige Partner, um aus ungleichen Chancen gleiche Entwicklungschancen zu machen. Das ist eine große Verantwortung für uns – aber es ist auch eine der schönsten Aufgaben, die wir in der Kommunalpolitik haben. Wir Kommunen können an dieser Stelle beweisen, was durch die Förderung der Kinder langfristig gesellschaftlich erreichbar ist!.

Am Wochenende feierten tausende Bürgerinnen und Bürger mit einem Fest bei strahlenden Sonnenschein den
70. Geburtstag ihres Bundeslandes. Auch das Landesmodellvorhaben ‚Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor‘ feierte mit und präsentierte sich beim NRW-Tag 2016. Die Landesministerien begrüßten die Besucherinnen und Besucher an ihren Informationsständen und hatten für die Gäste, die aus allen Landesteilen nach Düsseldorf gekommen waren, ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet. Kinder und Erwachsene hatten gleichermaßen Spaß, sich an den zahlreichen Mitmachaktionen zu beteiligen. (mär)

Düsseldorf: Gesundheit und Bildung stehen im Fokus

Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat sich seit vielen Jahren zum Ziel gesetzt, allen Kindern – insbesondere denen aus benachteiligten Lebensverhältnissen – gute Chancen für ein gelingendes Aufwachsen zu ermöglichen und bei Bedarf Unterstützungsleistungen anzubieten. Burkhard Hintzsche, Stadtdirektor von Düsseldorf, macht deutlich, warum er in der Retrospektive die Entscheidung, sich an dem Modellprojekt „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ zu beteiligen, für eine wichtige Weichenstellung im Präventionsbereich ansieht.

Auf der Regionalkonferenz in Düsseldorf berichtete er über den Verlauf des Projektes. In drei Sozialräumen wurde ein entsprechend hoher Handlungsbedarf festgestellt – hier wurden insbesondere die Kern-Präventionsthemen „Gesundheit“ und „Bildung“ in den Blick genommen. Durch die Beteiligung der vor Ort tätigen Fachkräfte und Präventionsmanagerinnen und -manager konnte im Rahmen der Arbeit sichergestellt werden, dass bestehende Kooperationsstrukturen, abgestimmte Konzepte und erprobte Handlungsansätze nachhaltig in den Aufbau von möglichst lückenlosen Präventionsketten einbezogen werden.

Prävention rechnet sich langfristig

In allen drei Modellräumen wurden Beratungsangebote für Familien, Kinder und Jugendliche in erforderliche Förder-maßnahmen vermittelt, zusätzliche Elternangebote und Veranstaltungen durchgeführt und themenspezifisch neue Präventionsbausteine auf den Weg gebracht. Als besonders gelungen stellte sich in Düsseldorf die Entwicklung der Kita-Eingangsuntersuchung heraus. Hierbei handelt es sich um ein Entwicklungsscreening durch das der gesund-heitliche und soziale Entwicklungsstand der Kinder bereits mit Eintritt in die Tageseinrichtung und nicht erst im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung erfasst wird. Eine darauf basierende vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern zur Erkennung frühzeitiger, zusätzlicher und individueller Förderungsmaßnahmen sowie passgenauer Hilfen war ein äußerst positiver Begleiteffekt dieses Vorgehens.

Pate für die Entwicklung der KiTa-Eingangsuntersuchung waren die Ergebnisse aus den Maßnahmen der Bewegungs- und Sportförderung in Düsseldorf. Neben zahlreichen fachübergreifenden Angeboten decken vor allen Dingen die sportmotorischen Tests „Check!“ und „ReCheck!“ für Düsseldorfer Schulkinder Bewegungsschwächen und -mängelaber auch Begabungen auf und regen Fördermöglichkeiten an. So werden Spaß an der Bewegung und am Sport begünstigt und Talente gezielt gefördert. Wir sind stolz darauf, dass der Anteil stark übergewichtiger (adipöser) Kinder ebenso gesunken ist wie der Anteil der Kinder, die nicht schwimmen können. Mehr noch: Durch die Förderangebote konnte ein Zuwachs an Mitgliedschaften in Sportvereinen verzeichnet werden.

Fachübergreifende Zusammenarbeit lohnt sich. Prävention verzeichnet langfristige Erfolge und kann nur im Zusammenwirken vieler Akteure, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Verwaltung und gemeinsam mit den politischen Entscheidungsträgern gelingen. Stadtdirektor Burkhard Hintzsche zieht ein positives Resümee: „Wir möchten unbedingt sicherstellen, dass die mit dem Modellprojekt verbundenen positiven Erfahrungen auch zukünftig im Rahmen der Landesinitiative wirksamen Präventionsansätze in unserer Stadt gestärkt, weiterentwickelt und miteinander vernetzt werden. Ich bin sicher, dass uns dieses Vorhaben gelingt – nicht zuletzt dadurch, dass durch die Gesundheits- und die Bildungskonferenz ein anlass- und themenbezogener Transfer und Austausch mit gesamt-gesellschaftlichen Institutionen wie z.B. Unternehmerschaft, Kliniken, Politik, Kultur, Religionsgemeinschaften und unterschiedlichen Fachämtern sichergestellt ist.“

Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat sich seit vielen Jahren zum Ziel gesetzt, allen Kindern – insbesondere denen aus benachteiligten Lebensverhältnissen – gute Chancen für ein gelingendes Aufwachsen zu ermöglichen und bei Bedarf Unterstützungsleistungen anzubieten. Burkhard Hintzsche, Stadtdirektor von Düsseldorf, macht deutlich, warum er in der Retrospektive die Entscheidung, sich an dem Modellprojekt „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ zu beteiligen, für eine wichtige Weichenstellung im Präventionsbereich ansieht.

Auf der Regionalkonferenz in Düsseldorf berichtete er über den Verlauf des Projektes. In drei Sozialräumen wurde ein entsprechend hoher Handlungsbedarf festgestellt – hier wurden insbesondere die Kern-Präventionsthemen „Gesund-heit“ und „Bildung“ in den Blick genommen. Durch die Beteiligung der vor Ort tätigen Fachkräfte und Präventions-managerinnen und -manager konnte im Rahmen der Arbeit sichergestellt werden, dass bestehende Kooperations-strukturen, abgestimmte Konzepte und erprobte Handlungsansätze nachhaltig in den Aufbau von möglichst lückenlosen Präventionsketten einbezogen werden.

Prävention rechnet sich langfristig

In allen drei Modellräumen wurden Beratungsangebote für Familien, Kinder und Jugendliche in erforderliche Fördermaßnahmen vermittelt, zusätzliche Elternangebote und Veranstaltungen durchgeführt und themenspezifisch neue Präventionsbausteine auf den Weg gebracht. Als besonders gelungen stellte sich in Düsseldorf die Entwicklung der Kita-Eingangsuntersuchung heraus. Hierbei handelt es sich um ein Entwicklungsscreening durch das der gesund-heitliche und soziale Entwicklungsstand der Kinder bereits mit Eintritt in die Tageseinrichtung und nicht erst im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung erfasst wird. Eine darauf basierende vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern zur Erkennung frühzeitiger, zusätzlicher und individueller Förderungsmaßnahmen sowie passgenauer Hilfen war ein äußerst positiver Begleiteffekt dieses Vorgehens.

Pate für die Entwicklung der KiTa-Eingangsuntersuchung waren die Ergebnisse aus den Maßnahmen der Bewegungs- und Sportförderung in Düsseldorf. Neben zahlreichen fachübergreifenden Angeboten decken vor allen Dingen die sportmotorischen Tests „Check!“ und „ReCheck!“ für Düsseldorfer Schulkinder Bewegungsschwächen und -mängelaber auch Begabungen auf und regen Fördermöglichkeiten an. So werden Spaß an der Bewegung und am Sport begünstigt und Talente gezielt gefördert. Wir sind stolz darauf, dass der Anteil stark übergewichtiger (adipöser) Kinder ebenso gesunken ist wie der Anteil der Kinder, die nicht schwimmen können. Mehr noch: Durch die Förderangebote konnte ein Zuwachs an Mitgliedschaften in Sportvereinen verzeichnet werden.

Fachübergreifende Zusammenarbeit lohnt sich. Prävention verzeichnet langfristige Erfolge und kann nur im Zusammenwirken vieler Akteure, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Verwaltung und gemeinsam mit den politischen Entscheidungsträgern gelingen. Stadtdirektor Burkhard Hintzsche zieht ein positives Resümee: „Wir möchten unbedingt sicherstellen, dass die mit dem Modellprojekt verbundenen positiven Erfahrungen auch zukünftig im Rahmen der Landesinitiative wirksamen Präventionsansätze in unserer Stadt gestärkt, weiterentwickelt und miteinander vernetzt werden. Ich bin sicher, dass uns dieses Vorhaben gelingt – nicht zuletzt dadurch, dass durch die Gesundheits- und die Bildungskonferenz ein anlass- und themenbezogener Transfer und Austausch mit gesamtgesellschaftlichen Institutionen wie z.B. Unternehmerschaft, Kliniken, Politik, Kultur, Religionsgemeinschaften und unterschiedlichen Fachämtern sichergestellt ist.“

Besuch aus dem Saarland

Im Oktober besuchte eine Delegation aus dem Saarland die Landeshauptstadt Düsseldorf, um sich vor Ort über die Landesinitiative „Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen“ zu informieren. Die Leiterin des Jugendamts Regionalverband Saarbrücken und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehörte gemeinsam mit den Geschäfts-führerinnen und Geschäftsführer verschiedener paritätischen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen zu den Gästen, die im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen begrüßt wurden. Das überregionale Treffen kam aufgrund der Initiative von Martin Debener, Fachreferent der Freien Wohlfahrtspflege NRW, zustande.

Vorstellung des Konzeptes der Landesinitiative stieß auf großes Interesse bei den Saarländer Delegierten
Marco Becker, Leiter der Projektgruppe Prävention im NRW Familienministerium eröffnete das mehrstündige Fachgespräch, in dem die Delegation von den Vertretern der Landeskoordinierungsstelle „Kein Kind zurücklassen!“ über die Ziele und die Umsetzung der Landesinitiative informiert wurden. Die Gäste aus dem Saarland waren besonders an den integrierten Handlungskonzepten im Rahmen der nordrhein-westfälischen Landesinitiative interessiert, wie auch an guten Praxisbeispielen, bei denen die Maxime „vom Kind her denken“ bereits konkret umgesetzt wird.

Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle „Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen“ stellte das Konzept der Landesinitiative vor: Mit dem Aufbau von Präventionsketten sollen Kinder, Jugendliche und Familien mit passgenauen und aufeinander abgestimmten Angeboten wirksam unterstützt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die beteiligten Institutionen, freien Träger und Einrichtungen gut miteinander kooperieren. „Für ein solches Vorhaben gibt es keinen universellen Masterplan. Jede Kommune ist anders und hat ihre eigene Ausgangslage, von der aus sie ihren individuellen Weg findet“, machte Dr. Stolz deutlich.

Im Anschluss berichtete Dr. Johannes Schütte von der Stabstelle der Landeskoordinierungsstelle über die fachlichen Erkenntnisse, die im Laufe des Modellvorhabens von 2012 – 2016 gewonnen wurden. Aufbauend auf diesen guten Erfahrungen wurde ein Qualitätsrahmen entwickelt, der nicht als verbindliche „Bauanleitung“ für Präventionsketten gedacht ist, sondern als Navigationshilfe genutzt werden kann. An den Vortrag zur Rolle der Kommunen im Rahmen der Landesinitiative schloss sich eine lebhafte Diskussion aller Beteiligten an.

Der Austausch ist für alle ein großer Gewinn

Dr. Schütte freute sich über das rege Interesse: „Wir finden es großartig, dass sich die Erfolge des Modellvorhabens „Kein Kind zurücklassen!“ herumgesprochen haben und wir über die Grenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus wahrgenommen werden. Der Austausch mit den Fachkolleginnen und Fachkollegen steht bei solchen Treffen für uns im Vordergrund. Wenn wir die Gelegenheit haben, Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bundesländern über unsere Erkenntnisse zu berichten, profitieren am Ende auch wir von diesem Austausch.“

Auch die Jugendamtsleiterin des Jugendamts Regionalverband Saarbrücken, Frau Spoo-Ludwig, sah den Gewinn des Besuches in dem fachlichen Gesprächen: „Wir fanden es sehr interessant zu hören, wie „Kein Kind zurücklassen!“ in Nordrhein-Westfalen umgesetzt wird und auf welch hohem fachlichen Niveau sowohl seitens des Ministeriums als auch der Koordinierungsstelle die Kommunen begleitet werden. Auch wir sind dabei – gemeinsam mit den Trägern der freien Jugendhilfe die gesamte Präventionskette im Sozialraum neu zu betrachten, zu bewerten und konzeptionell zu überdenken – mit dem Ziel, trotz knapper finanzieller Mittel die Präventionskette so zu schließen, dass niedrig-schwellige Angebote für Kinder und Familien möglichst lückenlos ab der Schwangerschaft zugänglich sind.“
„Vom Kind her denken und „Ungleiches ungleich behandeln“ in der Praxis.

Die Reise der Delegation wurde mit einem Besuch im Ruhrgebiet abgerundet. Am zweiten Tag besuchten die Saarländer die „Arbeitsgemeinschaft soziale Brennpunkte Bottrop e.V.“ Der Verein ist in einem benachteiligten Stadtteil von Bottrop tätig. Der Träger betreibt eine Kindertagesstätte und ein Jugendzentrum in einer Siedlung mit kommunalenWohnungsnotschlafstellen. Er arbeitet sozialraumorientiert und gut vernetzt mit anderen sozialen Institutionen. Frau Spoo-Ludwig meinte nach dem Besuch: „Als Denkanstöße konnten wir aus unserem Austausch vor allem die Gestaltungsprinzipien „Vom Kind her denken und „Ungleiches ungleich behandeln“ mitnehmen und als Praxisbeispiel die Weiterentwicklung der Kita Rappelkiste der AGSB Bottrop zum Familienzentrum.“

Auch Martin Debener war mit den Resultaten des zweitägigen Besuchs zufrieden. Das Interesse der freien Träger an der Landesinitiative „Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen“ war sehr hoch, zog er ein positives Resümee: „Die Einbindung der Freien Träger der Wohlfahrtspflege ist gerade im Bereich Prävention strategisch von Bedeutung. Sie bündeln fachliches Erfahrungswissen und sind nah genug an den Menschen, um auch neue, effektivere Zugangsstrategien zu schwer erreichbaren Zielgruppen – in Kooperation mit den öffentlichen Institutionen – entwickeln und umsetzen zu können. Dass in der Freien Wohlfahrtspflege die Offenheit besteht, sich von den erfolgreichen Konzepten anderer anregen zu lassen, zeigt, dass der professionelle Blick über den Tellerrand in der täglichen Arbeit der Freien Träger praktiziert wird“. (mär)

Regionalkonferenz: Staatsekretär fordert zur Teilnahme auf

Im September 2016 fand die zweite von fünf Regionalkonferenzen in Dortmund in der Außenstelle der Bezirks-regierung Arnsberg statt. Zahlreiche kommunale Vertreterinnen und Vertreter wollten sich über die Möglichkeit und die Rahmenbedingungen einer Teilnahme an der Landesinitiative „Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen“ informieren. Staatssekretär Bernd Neuendorf, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, begrüßte die Gäste aus den interessierten Kommunen.

Er wies darauf hin, dass die Evaluation des Modellprojekts „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ mit insgesamt 18 Kommunen in NRW von 2012 bis 2016 eindeutig ergeben habe, dass Prävention Wirkung zeige und gut funktioniere: „Die Stadt Dortmund, die als Modellkommune in der ersten Runde mit dabei war, ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Ich habe im August ein Schreiben von Herrn Oberbürgermeister Sierau erhalten, wonach die Dortmunder Kinderstuben den ersten Preis in dem renommierten Wettbewerb Preis Soziale Stadt in der Kategorie Bildung, Kultur und Gesundheit erhalten haben.“

Neuendorf stellte in seiner Begrüßungsrede besonders heraus, dass die Dortmunder Kinderstuben es geschafft hätten, Eltern und Kinder aus allen Teilen der Gesellschaft sehr früh an Kindertagesbetreuung und Familienbildung heranzuführen.“ Davon würden die Kinder deutlich profitieren. Er gratulierte allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren zu den vielen erfolgreichen Projekten in den verschiedenen Modellkommunen.

Sozialräumliches Monitoring schafft Transparenz

Im Anschluss berichtete Christina Wieda, Senior Projektmanagerin bei der Bertelsmann Stiftung, über einige Aspekte der Begleitforschung zum Modellvorhaben „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“. Sie spannte den Bogen über Nordrhein-Westfalen hinaus. Die ungleiche Verteilung des Wohlstands in den Nationalstaaten hätte spürbare Folgen für die Kommunen. In den Städten und Gemeinden entstehen Stadteile und Sozialräume, in denen sich das Phänomen verfestigter Armut wiederfindet. Die Begleitforschung näherte sich aus verschiedenen Perspektiven dem Thema. Zu den Ergebnissen wurden bisher 13 Berichte und ein ausführlicher Abschlussbericht publiziert.

Wieda machte deutlich, dass aus der ursprünglich geplanten fachlichen Evaluation des Modellvorhabens anwendungs-orientierte Grundlagenforschung geworden sei. Ein Ergebnis der Forschung ist, dass Einkommensarmut und Bildungsarmut oftmals Hand in Hand gehen. Bildungsarmut führe fatalerweise dazu, dass es den Betroffenen ganz besonders schwer falle, sich passende Unterstützung zu holen: „Wir konnten durch Studien, die sich mit Rahmen-bedingungen und Strukturen der kommunalen Verwaltung befasst haben, und durch Befragung der Zielgruppe kommunaler Angebote, nämlich den Familien, darlegen, wie gelingendes Aufwachsen befördert werden kann. Ein wichtiger Schwerpunkt war, herauszufinden, welche Angebote der Kommunen mit dem tatsächlichen Bedarf der Familien übereinstimmen und von den Menschen genutzt werden, die man erreichen möchte.“

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Ergebnisse lieferten Monitoring und Mikrodatenanalyse, mit deren Hilfe aufgezeigt wird, welche Sozialräume in welchen Kommunen besonders belastet sind. „Ein sozialräumliches Monitoring schafft Transparenz, liefert Steuerungsinformationen und kann genutzt werden, um Ressourcen bedarfsgerecht in die Kitas und Schulen besonders belasteter Sozialräume zu lenken. Die Forschung der Bertelsmann Stiftung, so Wieda, habe ergeben, dass sich frühe Förderung lohnt. Dies hätten auch die Daten der Schuleingangs-untersuchung gezeigt: Wenn Kinder unter 3 Jahren in den Kindergarten kämen und dort entsprechend gefördert werden, könnten Defizite, die im familiären Umfeld begründet sind, zum Teil kompensiert werden.

Praxiserfahrungen als Modellkommune

Klaus Burkholz bestätigte dies aufgrund der guten Praxiserfahrungen, die er als Jugendamtsleiter mit „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ bisher gemacht hat. Man sei sehr froh, das Dortmund an der ersten Projektphase teilgenommen habe. Die Stadt habe zu dem bestehenden Wissen neue Kenntnisse hinzugewonnen. Dabei sei die Begleitung durch das ISA e.V., das Familienministerium NRW und durch die Bertelsmann Stiftung hilfreich gewesen und habe zu den eigenen Erfolgen beigetragen. Auch der Austausch mit anderen Kommunen bei den Lernnetzwerktreffen sei für alle Beteiligten gut gewesen, um sich im Rahmen des eigenen Handelns weiter zu entwickeln. „Eine ehrliche Analyse der eigenen Stärken und Schwächen ist ein gutes Mittel, um mit der notwendigen Offenheit in den Prozess zu gehen. Es war für das Gelingen außerdem sehr wichtig, dass die ganze Kommune inklusive der Stadtspitze hinter der Landesinitiative stand.“ Nach seiner Erfahrung sei zudem der gemeinsame überparteiliche Wille in den Räten und Kreistagen wichtig, damit die kommunalen Projekte auch politisch getragen werden.

Es folgte eine lebhafte Aussprache im Plenum, im Anschluss sprach Dr. Heinz-Jürgen Stolz (ISA e.V.), Leiter der Landeskoordinierungsstelle, über die geplante landesweite Umsetzung und die neue Rolle der Kommunen, die zukünftig an der Landesinitiative teilnehmen werden. Nach seiner Rede stand Dr. Stolz für Fragen zur Verfügung. In der Diskussion ging es unter anderem um kurzfristige fiskalische Effekte und die Frage, ob sich durch die Landesinitiative Armut bekämpfen und soziale Segregation verhindern ließe. Stolz verdeutlichte, dass – anders als in manchen Medien verkürzt dargestellt – „Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen“ konzeptionell nicht darauf angelegt sei, Einkommensarmut kurzfristig zu bekämpfen.

Dies sei auch nicht der Ansatz der Landesinitiative: „Natürlich haben wir keinen Einfluss auf die Schaffung flächendeckender, sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, die ein zentraler Ansatzpunkt bei der Bekämpfung ökonomischer Armut ist. Ebenso wenig können wir Einfluss auf Berechnungsart und Höhe des Sozialgeldes nehmen. Präventionsketten können aber insofern auf Armutsfolgen Einfluss nehmen, dass aus der Einkommensarmut der Eltern nicht quasi-automatisch die Bildungsarmut ihrer Kinder, ein schlechter Gesundheitszustand und mangelnde soziale Teilhabe resultieren. Daran – und nicht an der kurzfristigen Entwicklung der Kinderarmutsquote – bemisst sich der mittel- und langfristige Erfolg dieser Landesinitiative. Wir wollen die Armutsspirale in der Generationenfolge durchbrechen, damit Kinder aus armen Familien später nicht ihrerseits wieder arme Familien gründen müssen.“

Bedenken aus dem Publikum, das bei einer Teilnahme an der Landesinitiative die eigenen erreichten Erfolge auf der Strecke bleiben, konnte Stolz entkräften: „Wir würden nie sagen, dass eine neu hinzugekommene Kommune bisher nicht genug in den Bereich Prävention investiert hat. Wir handeln nicht nach dem Motto ‚Hoppla, jetzt kommen wir mit den alleinseligmachenden Lösungen‘. Ganz im Gegenteil – wir haben nicht den Anspruch, dass wir das Rad völlig neu erfinden, sondern wir setzen bei dem Vorhandenem an. Wenn wir in eine Kommune gehen, sehen wir als erstes einmal, wo es bereits gute Erfahrungen mit Prävention gibt, wo Synergieeffekte genutzt werden können, wie man diese weiterentwickeln kann und wo gegebenenfalls Brücken zu neuen Netzwerkpartnern gebaut werden können.“ (mär)

NRW Geburtstag: Ministerpräsidentin Kraft
zu Besuch bei „Kein Kind zurücklassen!“

Am Wochenende feierten tausende Bürgerinnen und Bürger mit einem Fest bei strahlenden Sonnenschein den 70. Geburtstag ihres Bundeslandes. Auch das Landesmodellvorhaben ‚Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor‘ feierte mit und präsentierte sich beim NRW-Tag 2016.

Die Landesministerien begrüßten die Besucherinnen und Besucher an ihren Informationsständen und hatten für die Gäste, die aus allen Landesteilen nach Düsseldorf gekommen waren, ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet. Kinder und Erwachsene hatten gleichermaßen Spaß, sich an den zahlreichen Mitmachaktionen zu beteiligen.
Am Samstag besuchten die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, den gut besuchten Stand von ‚Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor‘. Hier konnten sich Familien über die aktuellen kommunalen Projekte informieren.

Ministerpräsidentin Kraft bedankte sich bei den Beteiligten: „Dank an alle Helferinnen und Helfer hier am Stand, Sie machen heute auf dem NRW-Tag einen tollen Job. Das gilt im Übrigen auch für unser Modellprojekt ‚Kein Kind zurücklassen‘. Machen Sie weiter so, denn ‚Kein Kind zurücklassen‘ ist ein Erfolg und wir wollen die vorbeugende Politik in Nordrhein-Westfalen fortsetzen – weil sie gut ist für die Kinder und für die Zukunft unseres Landes. Deshalb werden wir ‚Kein Kind zurücklassen‘ ab dem Herbst dieses Jahres sukzessive für alle Kommunen in NRW öffnen“, sagte die Ministerpräsidentin mit Blick auf die weitere Entwicklung des Modellvorhabens.

Am Stand von ‚Kein Kind zurücklassen!‘ gab es für die jungen Gäste viel zu entdecken. Über 100 Schülerinnen und Schülern konnten sich der Arbeit der Ministerien auf eine ganz besondere Art und Weise nähern. Bei einer modernen Schnitzeljagd konnten die Familien unter dem Motto „Vernetzung“ mit Geocaching auf ihrem Smartphones die unterschiedlichen Zelte der Ministerien besuchen. Eine schöne Parabel für das Modellvorhaben: Denn bei ‚Kein Kind zurücklassen!‘ wird ein breites Netzwerk geschaffen, um Chancengleichheit für die Kinder in NRW zu schaffen. (mär)