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Kirchenasyl für einen Rohingya: Er darf bleiben – vorerst

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Während auf dem Evangelischen Kirchentag engagiert zum Thema Flüchtlingspolitik diskutiert wurde, bat in Dortmund ein Flüchtling aus Myanmar (Birma) um Kirchenasyl. Er gehört der muslimischen Minderheit der Rohingya an. Hunderttausende Menschen der verfolgten Volksgruppe sind weltweit auf der Flucht und auf der Suche nach einer neuen Heimat.

Der Flüchtling Sani B. (Name geändert) erscheint an einem Abend Mitte Juni in Begleitung von zwei Frauen bei einer abendlichen Veranstaltung der Kirchengemeinde. Am Ende bleibt der junge Mann in der Kirchenbank sitzen. Als der letzte Kirchenbesucher gegangen ist, bittet er den Pfarrer um Kirchenasyl.

In gebrochenen Englisch erklärt er, dass er der muslimischen Minderheit der Rohingya angehört. Er sei von Bangladesch über Indien, den Iran und die Türkei nach Europa geflohen. Seine Familie habe er bei Unruhen in der Heimat Myanmar und während der Flucht verloren. Seine ganze Hoffnung auf eine sichere Zukunft liegt nun in Deutschland. Doch auch hier wolle man ihn nicht haben. Sein Widerspruch gegen die Rückführung nach Frankreich sei vor dem deutschen Verwaltungsgericht nun endgültig gescheitert.

Den Gerichtsbeschluss zu seiner Abschiebung hat Sani B. mit den anderen Papieren in die Kirche mitgebracht. Die Behördenbriefe und die Kopien seines Familienbuches mit den Namen der toten Familienmitglieder trägt er in einem kleinen Rucksack bei sich. Sie sind alles, was er besitzt.

Die Unterlagen und Papiere belegen seine Fluchtgeschichte, unter anderem zehn Jahre im Flüchtlingslager Cox Bazaar in Bangladesch. Die Frauen, die den Flüchtling ehrenamtlich begleiten, haben die über zwanzig Jahre währende Flucht auf Grundlage der Erzählungen und der vorhandenen Papiere auf zwei Din-A4-Blättern zusammengefasst.

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